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Geschichte 3 / 3
Titel: Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär
Autor: Walter Moers
Verlag: Eichborn
Hardcover
ISBN: 3821829699
Segelgeschichten
Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär
In Deutschland ist "Käpt'n Blaubär" vor allem bekannt aus den Fernsehsendungen für Kinder, in denen er seinen Enkeln unglaubliche Geschichten aus seinen Leben erzählt.
(Ein Blaubär hat 27 Leben.)
Das Buch von Walter Moers, dem deutschen Comic-Autor,
wird jedoch auch viel von Erwachsenen gelesen.
Es ist eine Sammlung von phantasievollen, spannenden und lustigen Erzählungen über 13 1/2 völlig unterschiedliche Leben des Blaubären auf dem untergegangenen Kontinent Zamonien. Geschichten über sein Leben in der Stadt Atlantis, oder in dem Kopf eines Riesen oder an Bord des "Molloch", eines riesigen Dampfschiffes und die vielen unterschiedlichen Lebewesen, die oft Ähnlichkeiten mit Bekannten aus dem wirklichen Leben haben, lassen den
Leser immer wieder über den scheinbar grenzenlosen
Erfindungsreichtum des Autors staunen.
"Käpt'n Blaubär Bakker" ist schon dreimal mit einem
Blaubär-Fanclub gesegelt.
Ausschnitt
Die Zwergpiraten waren die Herrscher des Zamonischen Ozeans. Es wußte allerdings niemand davon, weil sie so klein waren, daß keiner sie bemerkte. Keine Welle war den Zwergpiraten zu hoch, kein Sturm zu gewaltig und kein Sog zu wirbelnd, daß sie ihm nicht getrotzt hätten. Sie waren die verwegensten aller Seefahrer und suchten unablässig die Herausforderung, ihr nautisches Können auch gegen die tosendsten Naturgewalten unter Beweis zu stellen. Nur sie waren aufgrund ihrer außergewöhnlichen seemännischen Fähigkeiten in der Lage, es mit dem Malmstrom aufzunehmen.So war es gekommen, daß sie in den Strudel geraten waren, aus reiner Verwegenheit und trotzig ihre Piratenlieder grölend. Aufmerksam die Wasseroberfläche nach günstigsten Wellentunneln und Strömungen absuchend, hatte mich ihr Ausguck im Mast durch sein winziges Fernrohr erspäht. Ich war kurz davor, im Malmstrom zu verschwinden.
Es war eine doppelt glückliche Fügung, ausgerechnet von den Zwergpiraten gefunden zu werden, denn jeder andere von normaler Größe hätte mich vermutlich übersehen. Sie holten mich an Bord, wickelten mich in Ölzeug und banden mich mit dicken Tauen an einen Mast, was mir damals sehr seltsam vorkam, aber meiner Sicherheit diente. Währenddessen führten Sie ihren heldenhaften Kampf mit den Elementen wie selbstverständlich weiter. Sie kletterten die Masten hinauf und wieder herunter wie Eichhörnchen, hißten die Segel und holten sie wieder ein, in einem Tempo, daß einem schwindelig werden konnte vom bloßen Hinsehen. Sie warfen sich wie ein Mann nach Backbord, um eine Schwankung auszubalancieren, dann wieder nach Steuerbord, zum Bug oder zum Heck. Sie pumpten das Wasser, verschwanden im Bauch des Schiffes, um mit vollen Eimern wieder herauszukommen, sprangen durch Luken und schwangen sich an Tauen hin und her. Sie waren in ständiger Bewegung, kurbelten am Steuerrrad, schrien sich gegenseitig an, hängten sich gemeinsam an ein großes Segel, um es zu schnellerer Entfaltung zu bringen, holten Taue ein und vergaßen dabei keine Sekunde, ihre Piratenlieder zu singen. Ich kann mich sogar erinnern, daß einer von ihnen dabei unablässig das Deck schrubbte.
Die Geschicht überströmte das Schiff, es legte sich schräg, bäumte sich auf und tauchte sogar mehrmals unter, aber es versank nicht. Ich bekam zum ersten Mal Meerwasser zu schlucken, und ich muß gestehen: Es schmeckte nicht übel. Wir glitten durch Wellentunnel, ritten auf mächtigen Schaumbergen, wurden hoch in die Luft geworfen und tief ins Meer gedrückt. Das Piratenschiff wurde hin und her geschleudert, von riesigen Wellen geohrfeigt, geschubst und bespuckt, aber die Zwergpiraten ließen sich nicht beirren. Sie schrien das Meer an, spuckten zurück und stachen mit ihren Enterhaken nach den Wellen...